Wer führen will, muss glauben?!

Mit mehr Spiritualität Souveränität gewinnen

Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, dass unser herkömmliches Konzept von Souveränität besonders in komplexen Zeiten an seine Grenzen kommt. Nun, ich würde sagen, wir leben in komplexen Zeiten. Heute verrate ich, was wir tun können, um zu einer stabilen, tieferen Souveränität zu gelangen und welche Rolle dabei unsere Spiritualität spielt. In drei Schritten zur Führungspersönlichkeit sozusagen…

Kennen Sie solche Menschen, die wirklich integer sind? Die eine Weisheit und Souveränität ausstrahlen, der man sich nicht so richtig entziehen kann? Menschen, denen wir nicht mal böse sind, wenn sie uns sagen: „Viel lernen du noch musst, junger Padawan!“ Geborene Führungskräfte? Nicht ganz, denn Souveränität kann man sich erarbeiten und lernen.

Ich möchte nicht lügen

– das zu erreichen, ist ein nie endender Weg und eine nicht immer nur angenehme Lebensaufgabe. Denn es hat vor allem damit zu tun, den Kampf gegen sich selbst aufzugeben und sich wohlwollend anzunehmen. Zu heftig? Ok, dann wenigstens akzeptieren. Aber das radikal. Damit meine ich nicht das beifallheischende Zugeben von Kleinkram wie „Ja, letzte Woche bin ich auch nur zweimal zum Joggen gekommen. Ich hatte einfach zu viel zu erledigen, hach!“ Sondern ehrlich den schmerzhaften Aspekten des Menschseins ins Auge sehen. Anerkennen, dass ich trotz meines Drangs nach Selbstbestimmung und fortschreitendem Lebensalter doch oft genug nach immer wiederkehrenden Mustern reagiere. Ich kann zum Beispiel furchtbar nachtragend sein – und das ist jetzt nur eine von den Schwächen, die ich auch einigermaßen offen zugeben kann! Ehrlich mit mir selbst sein, das ist schon eher eine harte Nummer. Aber ist der erste Schritt gegangen, steht die Tür zur echten, neuen Souveränität ein Stückchen weiter offen.

Diese Souveränität zweiter Ordnung kann uns und die uns anvertrauten Menschen freier machen. Frei von dem Druck ohne Fehler sein zu müssen. Frei, den eigenen Emotionen einen angemessenen Platz in unserem Denken, Planen und Handeln einzuräumen. Frei, kreativ und innovativ zu sein, weil wir akzeptieren können, dass es auch mal Sackgassen und Irrwege gibt. Frei, unseren Mitmenschen wirklich zu begegnen und über meine Stärken, Schwächen und Macken auch einfach mal fröhlich zu lachen. Frei tatsächlich über den Dingen zu stehen. Supersouverän sozusagen und damit auch wirklich gut geeignet Menschen zu leiten…

Souveränität braucht Spiritualität

Wie komme ich darauf? Drei Punkte:

Im Verhältnis zum Großen & Ganzen

Diese Art von Freiheit, die wir durch eine Souveränität zweiter Ordnung erhalten, speist sich nicht nur in der Erkenntnis unserer selbst, sondern noch viel mehr vielleicht aus der Einsicht, dass all unser Streben, unsere Sehnsucht nach Anerkennung, unsere Stärken und Schwächen nicht das letzte Wort sind. Wer versteht und spürt, dass wir Menschen mit unserer Eigenheit, mit unserer Schwäche und unserer Macht mit all unserem

Sein letzten Endes nur ein kleiner Teil etwas Unfassbaren sind, der kann tatsächlich über den Dingen stehen. Diese Einsicht befreit von Druck, weil sie all unser Tun in die Relation des Großen und Ganzen setzt. Zugleich befähigt sie uns zu absoluter Hingabe an dieses eine Leben, das wir leben, weil wir seine Leichtigkeit und Schönheit in neuem Licht sehen können. Die christliche Tradition hat dafür  den Begriff Demut geprägt.

Was ist, ist

Dinge ansehen, wie sie sind und verstehen „So ist es gut“. Wer sich und sein Leben ernst und ehrlich betrachtet und reflektiert, dem kann es schon mal ganz anders werden. Dass wir unsere Schattenseiten und unsere wahren Motivationen gerne verdrängen, hat ja durchaus gute Gründe. Es ist nicht schön, wenn wir unsere dunklen Seiten ansehen und zugeben müssen, dass sie eben auch ein Teil von uns sind. Und dennoch sind sie es und sie speisen uns ebenso wie unsere lichten und hehren Motive mit Energie und Lebenskraft. Die Fähigkeit, all unseren Facetten einfach betrachtend entgegenzutreten und auf die Wertung ‚gut’ und ‚böse’ erst einmal zu verzichten, kann helfen, neue Potentiale zu erschließen, unsere eigenen, inneren Konflikte beizulegen und die freiwerdenden Energien anderweitig gut einzusetzen. Die Erfahrung, wertungsfrei einfach so sein zu dürfen, wie man eben ist, ist das größte Geschenk und wir müssen es in uns selbst finden. Sie bildet den Kern des christlichen Glaubens. Die göttliche Zusage „und siehe, es war sehr gut“ spannt sich über alles Leben. Sie umfasst alles, auch unsere menschlichen Kategorien von Gut und Böse, von Schönheit und Leben und Tod.

 

All you need is within you

Tief in unserem Inneren haben wir bereits Zugang zu all diesen Erkenntnissen. Aber da sie nicht so klar und greifbar sind, wie es unser kognitives Denken gewohnt ist, nehmen wir die Meldungen aus dem vor- und unbewussten Bereichen unseres Selbst oft nicht für voll. Dabei finden wir genau dort eine Möglichkeit, uns mit einer tieferen Wahrnehmung und Weisheit zu verbinden. Das ist absolut nichts Neues (und in der Zwischenzeit sogar durch empirische psychologische Studien immer besser belegt) und es geschieht in allen Religionen weltweit ähnlich: Meditation, Kontemplation

und Gebet sind jahrtausendelang erprobte Wege des menschlichen Geistes, um die innere göttliche Kraft zu erschließen. Versuchen Sie es einfach mal (wieder) und lassen Sie sich von sich überraschen. Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen.

 

 

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