Was will ich mir nicht schenken?

Was ich mir nicht schenken will? Soziale Kontakte!

Familie, Freunde, Begegnungen und aus aktuellem Anlass: Weihnachten. Eh klar. Aber mir ist in letzter Zeit noch etwas aufgefallen, was ich mir nicht schenken will:

Wertschätzung

Wenn wir heute an Pflegekräfte, Ärzt*innen, Sanitäter*innen denken, hat das eine andere Bedeutung als früher. Ihre Arbeit und ihr Wirken ist durch die Pandemie in den Fokus gerückt. Viele wollen den Berufsgruppen Wertschätzung entgegenbringen, aber wie? Beifall klatschen am Balkon, einfach mal Danke sagen oder höhere Löhne bezahlen?

Es ist insgesamt etwas deutlicher geworden, welche Jobs von sozialen Kontakten abhängig sind, welche mehr und welche weniger von der Pandemie betroffen sind. Plötzlich ist man systemrelevant – oder nicht?

Wie relevant ist eigentlich ein junger Erwachsener im Freiwilligendienst in diesem System?

Gerade hier sind viele Freiwillige eingesetzt und in Zeiten der Pandemie besonders gefordert. In Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindertagesstätten, Schulen, der Jugendarbeit, uvm. unterstützen sie das Fachpersonal an vorderster Front. Dafür gab es aber kein Geld oder Applaus…auch von den Bonuszahlungen sind die Freiwilligen ausgenommen.

Dabei hat doch jeder Mensch das Bedürfnis als Person und in seiner Arbeit wertgeschätzt zu werden. Manchmal wird das durch Gehälter oder gesellschaftliches Ansehen geregelt. Im sozialen Bereich spielen oft der Austausch mit den Kolleg*innen und die Rückmeldungen und Reaktionen der Klient*innen eine große Rolle.

So auch bei mir:

Trotz Online-Seminaren habe ich das Gefühl, eine gute Beziehung zu meinen Freiwilligen im neuen Jahrgang zu haben. Das ist und bleibt mir besonders wichtig, denn Ziel meiner Arbeit ist der Kontakt zu den jungen Menschen. Sie im Freiwilligendienst (FSJ/BFD) zu begleiten, zu unterstützen, zu fördern und da zu sein. Sie als individuelle Persönlichkeiten und ihr freiwilliges Engagement und ihren wertvollen Einsatz zu schätzen. Gerade in Zeiten der Unsicherheit und in der Phase der Orientierung.

Das geht auch trotz Corona und online. Oder gerade weil? Vielleicht, weil Andere zu Wort kommen als sonst, weil andere Fähigkeiten gefragt sind, andere Interessen, weil das Bedürfnis nach Austausch und Gemeinschaft besonders hoch ist? Weil Distanz und Übernachtung keine Rolle spielt und die Hürde geringer ist? Weil wir uns sogar öfter sehen als sonst, bei den Online-Stammtischen?

Nähe trotz Distanz

Letzte Woche hat ein Freiwilliger im Rahmen eines Seminares einen Liedtext verfasst, in dem es um unser Einführungsseminar ging und darum, wie sehr sich die Teilnehmenden nähergekommen sind und was für ein gutes Gruppengefühl sich entwickelt hat. Gestern hat mich ein Freiwilliger angerufen, den ich noch nie gesehen habe und sich mir anvertraut. Er hat sich danach bei mir für das Verständnis und die Unterstützung bedankt.

Das ist Wertschätzung, die mir geschenkt wurde. Das berührt mich, weil es mir wichtig ist. Und ich bin sehr dankbar dafür.

 

Annika Umbach, Referentin für Freiwilligendienste bei der Evang. Jugend München, stellvertr. Beiratsvorsitzende in Josefstal

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