„Suchet der Schule Bestes“ – Zukunftsperspektiven Evangelischer Schüler*innenarbeit

Blick zurück nach vorn – Jubiläum und Zukunft

Evangelische Schüler*innenarbeit stellt die Jugendlichen selbst in den Mittelpunkt und bietet Raum für Beziehung – Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zu Gott. Sie ermutigt Jugendliche, sich Glauben aus ihrer eigenen Position heraus anzunähern. Wie dies seit 20 Jahren im Rahmen von Besinnungstagen/Tagen der Orientierung in Bayern gelingt und warum das zum Kern von Kirche gehört, war Thema des Fachtags am 09.10.2021 in Josefstal, der gemeinsam mit dem Amt für evangelische Jugendarbeit in Nünrberg und in Zusammenarbeit mit den weiteren Regionalen Zentren für Besinnungstage/Tage der Orientierung (Neukirchen bei Coburg, Pappenheim und Schwanberg) durchgeführt wurde.

Vielfältige Perspektiven und Erfahrungen

Der Fachtag war Begegnungs- und Impulsplattform für die evangelische Arbeit mit Schüler*innen. So individuell diese Arbeit jeweils vor Ort gestaltet wird, so vielfältig waren auch die Erfahrungen und Perspektiven der Teilnehmenden, die von Volker Napiletzki vom Studienzentrum und Horst Ackermann, Referent für schulbezogene Jugendarbeit, durch den Tag geführt wurden: Praktiker*innen und Kirchenleitung, Hauptberufliche und Ehrenamtliche, in Bayern und darüber hinaus Engagierte.

Jugendliche selbst stehen im Fokus evangelischer Schüler*innenarbeit

„Kirche ist kein Verein zur Bespaßung seiner Mitglieder, sondern muss gemäß ihrem Auftrag raus“, so Wolfgang Ilg, Professor für Jugendarbeit und Gemeindepädagogik an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, in seinem Impulsvortrag. „Suchet der Schule Bestes“ heißt die Aufforderung an Kirche und in diesem Sinne seien die Jugendlichen im Lebensraum Schule selbst in den Mittelpunkt der Konzeptionen zu stellen. Es sei wichtig, sich in der modernen, immer weiter differenzierten Gesellschaft als Akteur von Pluralität zu positionieren – nicht zu verwechseln mit weltanschaulicher Neutralität. Denn Schüler*innen profitieren von dem geschützten Raum und den Beziehungen, die Jugendarbeit auch in schulbezogener Arbeit schaffen kann.

Jugendverband gibt wesentliche Impulse

In drei Zukunftsworkshops am Nachmittag wurden fachliche Impulse für die Praxis der Schüler*innenarbeit und die Erarbeitung dekanatlicher Konzeptionen für die Kinder- und Jugendarbeit formuliert. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass schulbezogene Jugendarbeit sehr vom Jugendverband profitieren kann. Teilnehmenden-orientiert und frei zu arbeiten sei ebenso wichtig, wie sich an alle zu richten und niemanden aufgrund von Religion, Bildung oder sozialen Bedingungen auszuschließen. Mitglieder des Jugendverbands und Ehrenamtliche der Schüler*innenarbeit betonten die sich aus ihrem Selbstverständnis ergebende Bedeutung gelebter Partizipation für die Arbeit mit Schüler*innen und wiesen auf die Notwendigkeit einer strukturellen Verbindung zu den Gremien des Jugendverbands hin.

Schüler*innenarbeit fällt ganz verschieden aus – so wie es vor Ort passt

Wenn evangelische Jugendarbeit entscheidet, sich in schulbezogener Arbeit zu engagieren, dann ist es ein großer Mehrgewinn für Schule und Gemeinden. Sie kann ganz individuell und unterschiedlich ausfallen: ein Schüler*innencafé wie das der Evangelischen Jugend Selb, das auch beim Fachtag vorgestellt wurde, Streitschlichter- und Schülermentor*innenprogramme, Pausenangebote oder Projekte der Offenen Ganztagsschule und vieles mehr. Gemeinsam haben alle Aktivitäten, dass sie nicht um der Schule oder der Kirche, sondern um der jungen Menschen willen gestaltet werden – als Angebote, die sie stärken.
In Zeiten zunehmend knapper Finanzen stellt sich damit auch die Prioritätenfrage: Wer sich für Schüler*innenarbeit entscheidet, muss etwas anderes sein lassen – oder sich für eine staatliche Refinanzierung einsetzen.

Oberkirchenrat Martin: Evangelische Schüler*innenarbeit als Kontaktpunkt wird wichtiger

Oberkirchenrat Michael Martin sah den Arbeitsbereich durch die vielen Impulse, die hohe Fachlichkeit und das große Engagement klar gestärkt. Die Evangelische Schüler*innenarbeit trage wesentlich dazu bei, dass Kirche für Jugendliche greifbar werde – weit über die Kerngemeinde hinaus. Diese Kontaktpunkte und Gesprächsgelegenheiten werden in Zukunft noch wichtiger werden. „Dritte Orte“ wie Josefstal oder auch andere Bildungsstätten, wie das Evang. Bildungs- und Tagungszentrum Pappenheim, die Evangelische Jugendbildungsstätte Neukirchen oder der Jugendhof Schwanberg, bieten Schüler*innen die Chance, sich abseits des Schulalltags neu als Gemeinschaft wahrzunehmen und auch Kirche mal ganz anders zu begegnen.

Sehen und gesehen werden – ein Segen sein

Im Abendgottesdienst würdigten Landesjugendpfarrer Tobias Fritsche und Oberkirchenrat Michael Martin das Engagement der engagierten Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen. Die Besucher*innen konnten nicht nur miteinander feiern, sondern selbst Beteiligung, Gemeinschaft und interreligiöse Anschlussfähigkeit erleben – ganz wie es die Schulklassen bei den „Tagen der Orientierung“ in Josefstal tun. In seiner Predigt betonte Michael Martin die Bedeutung des “Sehens und Geseheneerdens” für die Schüler*innen. Am Ende erleuchteten Segenswünsche den Weg heraus aus dem Fachtag und hinein in den festlichen Jubiläumsabend, zu dem viele weitere ehemalige Ehrenamtliche des TdO-Teams dazustießen.

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