Ein neuer Mensch, eine neue Familie… – Neues aus Sicht der Gynäkologie

Wer wüsste mehr über Neues zu sagen, als eine Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe? Nicole Schmidt beschreibt ihren Blick darauf, wie Neues in die Welt kommt:

“Wenn Ei- und Samenzelle verschmelzen, werden sowohl die väterliche als auch die mütterliche Erbinformation neu zusammengeführt. Die entstehende Zygote (befruchtete Eizelle) enthält einen vollständigen Chromosomensatz. Dadurch, dass die von Vater und Mutter vererbte genetische Information bei jeder Zellteilung weitergegeben wird, kommt ein bisher nicht dagewesenes, einzigartiges „neues Wesen in die Welt“.

Meine berufliche Tätigkeit im Bereich der „Frauen- bzw. Mutter-Kind-Gesundheit“ ist sehr eng verknüpft mit der Entstehung von „Neuem“. Sei es auf der naturwissenschaftlich-embryologischen Ebene oder physiologisch, psychologisch und sozial. Die Entstehung neuer Familienstrukturen bietet zudem sozial – und gesundheitswissenschaftlich gesehen viele Herausforderungen und Chancen. Hier verschmelzen ebenso wie Ei- und Samenzelle bei der Konzeption (Befruchtung) auch berufliche und private Erfahrungen. Kaum jemanden lässt das Thema „Geburt“ unberührt; fast jede*r kann sich hier beruflich oder privat einbringen.

Die Entstehung von „Neuem“ wirft Emotionen auf; viele sind im Hinblick auf Schwangerschaft und Geburt positiv. Dennoch kann auch die Entstehung des „Neuen“ medizinisch, psychologisch oder sozial so herausfordernd sein, dass es zu Schmerz und Trauer kommt. Hierbei ist der Verlust eines Kindes (Neues, das in die Welt kam, aber diese wieder verließ.“) mit besonders viel Schmerz verbunden.

Jedoch kann auch in anderen Bereichen der Frauengesundheit „Neues“ entstehen und dadurch Schmerz und Leid verursachen. Beispielhaft sei hier die Entstehung von Brustkrebs erwähnt. Durch eine Veränderung der Zellstruktur und das unkontrollierte Wachstum kommt „Neues in die Welt“, das die Einzelne und ihre Umwelt vor Herausforderungen stellt. Erneut gehen die medizinischen Veränderungen mit physiologischen, psychologischen und sozialen Einflüssen einher.

Beruflich und privat gesehen sind wir umgeben von „Neuem“, das täglich entsteht. Erwartungen sind so unterschiedlich, wie die Vielzahl der „Neuerscheinungen“. Um diesen zu begegnen, benötigen wir nicht nur die Naturwissenschaften, sondern psychologische und soziale Strukturen, mit deren Halt und Unterstützung wir „Neues“ gestalten.”

Nicole C. Schmidt (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Katholischen Stiftungshochschule, Campus München)

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